Mitarbeiterbindung in der Pflege: Warum Gesundheitsförderung heute wichtiger ist als Recruiting
Der Fachkräftemangel bleibt eine der größten Herausforderungen in der Pflege. Viele Einrichtungen investieren erhebliche Ressourcen in Recruiting-Maßnahmen, Stellenanzeigen und Personalgewinnung. Gleichzeitig wird jedoch häufig ein entscheidender Hebel unterschätzt: die langfristige Bindung der bestehenden Mitarbeitenden.
Gerade in der Pflege sind die körperlichen und psychischen Belastungen besonders hoch. Schichtarbeit, Zeitdruck, emotionale Herausforderungen und körperlich anspruchsvolle Tätigkeiten führen häufig zu Erschöpfung, Fehlzeiten und im schlimmsten Fall zum Ausstieg aus dem Beruf.
Gesundheit als Faktor der Mitarbeiterbindung
Immer mehr Pflegekräfte erwarten von ihrem Arbeitgeber konkrete Unterstützung für ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden. Dabei geht es längst nicht mehr nur um klassische Fitnessangebote.
Moderne Gesundheitsförderung umfasst unter anderem:
- Bewegung und Rückengesundheit
- mentale Gesundheit und Stressbewältigung
- Präventionsangebote
- Physiotherapie und Massagen
- gesunde Ernährung
- individuelle Gesundheitsberatung
Entscheidend ist dabei, dass die Angebote zu den unterschiedlichen Lebenssituationen der Mitarbeitenden passen. Was für die eine Pflegekraft ein Fitnesskurs ist, kann für die andere eine Gesundheitsreise, eine Ernährungsberatung oder eine physiotherapeutische Behandlung sein.
Warum viele Gesundheitsangebote nicht die gewünschte Wirkung erzielen
In der Praxis scheitern Gesundheitsmaßnahmen häufig nicht an mangelnder Qualität, sondern an einer zu geringen Nutzung.
Viele Einrichtungen bieten einzelne Maßnahmen an, die jedoch nur einen kleinen Teil der Belegschaft erreichen. Mitarbeitende wünschen sich heute mehr Flexibilität und Wahlfreiheit.
Erfolgreiche Gesundheitsförderung orientiert sich daher zunehmend an individuellen Bedürfnissen statt an standardisierten Angeboten.
Fehlzeiten reduzieren und Arbeitgeberattraktivität stärken
Gesundheitsförderung ist nicht nur ein sozialer Faktor, sondern auch ein wirtschaftlicher.
Weniger krankheitsbedingte Ausfälle, höhere Motivation und eine stärkere Mitarbeiterbindung können dazu beitragen, die Stabilität von Teams zu verbessern und die Belastung der verbleibenden Mitarbeitenden zu reduzieren.
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels wird Gesundheitsförderung damit zu einem wichtigen Bestandteil einer nachhaltigen Personalstrategie.
Fazit
Recruiting bleibt wichtig. Noch wichtiger ist jedoch, die Mitarbeitenden zu halten, die bereits im Unternehmen sind.
Pflegeeinrichtungen, die Gesundheit ganzheitlich denken und ihren Mitarbeitenden flexible, bedarfsgerechte Angebote zur Verfügung stellen, schaffen nicht nur einen Mehrwert für ihre Beschäftigten. Sie stärken gleichzeitig ihre Arbeitgeberattraktivität, reduzieren Fehlzeiten und investieren in die Zukunftsfähigkeit ihrer Organisation.
Autor
Marco Nauroz ist Betrieblicher Gesundheitsmanager bei der proFIT GmbH – Gesundheit fördern. Er unterstützt Unternehmen und Pflegeeinrichtungen bei der Entwicklung und Umsetzung ganzheitlicher Gesundheitsstrategien – von der Analyse über Workshops und Gesundheitsprogramme bis hin zur Einführung moderner Gesundheitsbenefits. Ein besonderer Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf der Verbindung von Betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) und dem proFIT-Gesundheitsgutschein.